Diskussionsbeitrag zum Thema „Verhalten am Wasser“ oder „Wasserfreude“?

Es gibt Kreise im Klub, die fordern, die PO zur Anlagenprüfung (JZP/AZP) im Bereich Wasser zu ändern. Ein ausformulierter Antrag liegt bereits vor. Im Kern sollen demnach Hunde, die das Wasser auf einen geworfenen Gegenstand hin annehmen, schlechter bewertet werden als solche, die dasselbe von sich aus oder auf Kommando hin tun. Dem Verfasser erscheint dies nicht logisch. Die Gründe sollen im Folgenden dargelegt werden.

Bei Anlagen handelt es sich doch wohl per definitionem um primär erbkoordiniertes Verhalten. Um dieses jedoch zu „wecken“, muss ein Jungtier gleich welcher Art wiederholt entsprechenden Schlüsselreizen ausgesetzt werden, was auch so genannte „Kaspar-Hauser-Versuche“ in der Verhaltensforschung für verschiedene Tierarten zeigen.

Nebenbei bemerkt finden diese Erkenntnisse auch in der Hundeerziehung Anwendung, indem man den jungen Hund während sensibler Phasen bestimmte Erfahrungen nicht machen lässt, was im Labor recht gut, im Alltag mit seinen vielfältigen Reizen jedoch nur sehr selten wirklich gelingt.

Wie dem auch sei: Ein Junghund, der noch nie einen Hasen in der Nase hatte, wird nur ausnahmsweise auf Anhieb spurlaut sein, aber durch wiederholte Konfrontation die vorhandene Erbkoordination an sich „entdecken“.

Derselbe Hund wird im Fach „Stöbern“ Schwierigkeiten haben, sich vom Führer zu lösen, wenn er nie die Erfahrung gemacht hat, dass die lebenswichtige Rudelbindung auch bei kurzfristiger Trennung vom Rudel erhalten bleibt.

Ähnlich wird er sich am Wasser verhalten, hat er es nie kennen gelernt.

Ein grundsätzliches Problem bei Anlagenprüfungen wird somit immer die Frage sein: Was ist noch Anlage (Erbkoordination), was bereits Dressur (Erwerbkoordination)?

Nun, jagdliche Anlagen zeigen sich am ehesten in Verhaltensweisen, die mit dem Funktionskreis des Nahrungserwerbs de Beutegreifers Hund in Zusammenhang stehen, wie zum Beispiel dem Beutetrieb. Ebenfalls jagdlich bedeutsam und angewölft, aber nicht eigentlich zum Verhalten gehörend, ist die Nasenleistung.

Dem wird unstrittig in den Fächern „Nase“, „Spurlaut“, “Spurwille“, „Spursicherheit“ und „Stöbern“ Rechnung getragen.

Strittig scheint lediglich immer wieder das Verhalten des Hundes am und im Wasser zu sein. Zunächst wurde auf „Wasserfreude“ geprüft, dann zeitweilig gar nicht und seit 2003 „Verhalten am Wasser“. Nachstehende Ausführungen werden die Sinnhaftigkeit dieser letzten Formulierung aufzeigen.

Die Freude des Hundes am Baden und Schwimmen, also die „Wasserfreude“ hat erst einmal sicher nichts mit jagdlichen Anlagen zu tun, erleichtert jedoch unbestritten die spätere Ausbildung zur Wasserarbeit und ist daher mit Sicherheit durchaus positiv einzuschätzen.

Eine Ersatzbeute, die der Hund gezielt anschwimmt und anlandet – wohlgemerkt noch nicht apportiert – zeigt dagegen einen ausgeprägten Beutetrieb, was sicherlich im Sinne einer jagdlichen Anlagenprüfung ist.

Wenn ein Hund jedoch das Wasser nur auf ein Kommando hin annimmt, liegt doch wohl eindeutig bereits eine Dressur vor, die nichts oder nur wenig von der tatsächlichen Veranlagung des Hundes zeigt. Jedenfalls hat das hier gezeigte Verhalten weder mit „Wasserfreude“ noch mit einem Beutetrieb als Erbkoordination etwas zu tun.

Soll also wirklich die PO geändert werden, kann man nach vorstehenden Überlegungen nur zu folgendem Schluss kommen:

„Hunde, die von sich aus oder auf eine sichtig geworfene (Ersatz-)Beute hin ohne zu zögern das Wasser annehmen und mindestens fünf Meter weit schwimmen, erhalten die Note 4.

Hunde, die nur auf Kommando ohne zu zögern das Wasser annehmen und mindestens fünf Meter weit schwimmen, können nicht besser als mit der Note 3 bewertet werden.“

Nach Meinung des Verfassers war die bisherige Fassung der PO sehr wohl auch als Kompromiss zwischen den Vertretern unterschiedlicher Auffassungen zu verstehen und kann als durchaus gelungene Lösung gelten. Daher erfolgt der Vorschlag, sie beizubehalten, um auch weiter ausufernde Diskussionen zu vermeiden.

Weidmannsheil

Martin Ullrich (JAG-Mitglied Ba.-Wü.) und ESCR Jannosch vom Steigerwald (SpZB 0058/10 ABL:4326/J1)

 

Nanett, ein überhaupt nicht wasserfreudiger Cocker!

Seit mehr als vierzig Jahren führe ich nun jagdliche Cocker. Jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit und stellt an den Führer andere Anforderungen bei der Abrichtung. Bezüglich des im JSK viel diskutierten Problems „Wasserfreude“ oder „Verhalten am Wasser“ habe ich am meisten von der roten „Nanett aus dem Immenreich“ GHL 931 J1J1E1G2 gelernt. Sie war eine Tochter von „Lady Mary aus dem Immenreich“ und „Grischa vom Hasenschreck“, alle beide völlig unproblematisch am Wasser. Ich muss auch ganz ehrlich sagen, dass ich noch keine Vorstellung habe, wie sich Wasserfreude vererbt!

Bei Nanett zeigte sich bereits früh, dass sie nicht bereit war, freiwillig das Wasser anzunehmen. Auch bei großer Hitze machte sie sich höchstens die Pfoten nass. Vollkommen anders sah es aus, wenn Enten auf dem Wasser waren. Da konnte sie auf einmal schwimmen! Was mir zuvor noch nie passiert war: Zwei Mal musste ich sie wegen der Enten aus dem Dorf holen, weil sie auch nach hunderten von Metern nicht bereit war aufzugeben. Stand ich aber an einem „sterilen“ Wasser und gab das Kommando „Wasser voran“, blieb es bei der schon gewohnten Verweigerungshaltung.

Es nahte der Herbst und damit die Jugendzuchtprüfung. Es half alles nichts! Wir mussten das über den Gehorsam regeln, denn Schwimmen konnte sie – das hatte sie zu Genüge bewiesen! Ich brachte sie zur schmerzhaften Erkenntnis, dass drakonische Maßnahmen folgten beim Ignorieren des Kommandos. Sie ging zwar immer noch nicht gern, aber sie ging! Die JZP wurde zwei Mal mit der Note 4 am Wasser absolviert. Das ist mir mit so manchem wasserfreudigen Cocker nicht gelungen.

Nun also die Vorbereitung zur HZP. Ich hatte keine Möglichkeit an der lebenden Ente zu arbeiten. Daher bat ich 14 Tage vor der Prüfung einen in der Nachbarschaft wohnenden Jäger, uns zur Entenjagd mitzunehmen. Es gelang ihm, eine Ente zu erlegen, die recht schnell Fluss abwärts trieb. Nanett, zum Apportieren geschickt, umkreiste die Ente und wollte dies so völlig ungewohnt riechende Tier nicht greifen. Da blieb nur eins, mitsamt den Stiefeln in das brusthohe Wasser und auf den Hund einwirken! Beide standen wir triefend am Ufer, aber die Ente war korrekt apportiert.

Zur HZP in Bayern waren fünf Cocker gemeldet. Wasserarbeit fand an einem kleineren, stark verschilften Teich statt. Nanett hatte die Ente sehr schnell in der Nase, aber dann waren sowohl Hund als auch Ente für längere Zeit verschwunden, so dass nicht nur ich, sondern auch die Richter unruhig wurden. Schließlich hörte ich in größerer Entfernung einen Richter den Hund loben. Nanett hatte die Ente in einen Wasserabzugsgraben verfolgt und gegriffen. Mit dem Ehrenpreis für die beste Wasserarbeit fuhren wir nach Haus.

Zur GP führte ich Nanett in der LG Nordmark. Die Wasserarbeit wurde bei Ludwigslust (Mecklenburg -Vorpommern) an einem großen See geprüft, auch hier mit reichlich Schilf. Herr Stiller meinte, ich solle dem Hund beim Finden der Ente etwas helfen. Ich entgegnete ihm, dass sie das sehr gut ohne meine Hilfe bewältigen würde – und so war es dann auch. In allen Wasserfächern erhielt sie die 4.

Auch in der Jagdpraxis konnte Nanett ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten bei der Entenjagd beweisen. Ich erinnere mich an eine Entenjagd an mehreren Waldteichen. Wir waren bereits an der Hütte zurück und hörten vom Teich unterhalb noch heftige Kommandos und wildes Platschen, weil ein Deutsch Drahthaar eine beschossene Ente nicht finden konnte. Als nach einiger Zeit noch kein Erfolg zu verzeichnen war, ging ich hinunter und bot meine Hilfe mit Nanett an. Mit verachtungsvollem Blick auf den Cocker wurde mir die Bitte gewährt. Nanett geschnallt, umkreiste den Teich, und ohne sich auch nur die Pfoten nass zu machen, griff sie von oben unter den torfigen Teichrand und zog die Ente hervor.

Warum ich das aufschreibe? Wir züchten Jagdhunde! Freudiges Schwimmen im Wasser ist schön und gut – wir brauchen aber auch einen Hund mit Beutetrieb! Wie viele Spaniels habe ich schon freudig schwimmen sehen, die keinerlei Interesse zeigten, das Schilf anzunehmen, um Enten zu suchen. Wasserfreude macht zwar die Abrichtung leichter, aber noch lange keinen guten Entenjagdhund!

Regina Ückert

 

 


 Letzte Aktualisierung
   30 April, 2012

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